2005 - Helmut Lachenmann

21.11.2005, 13–19 h
Helmut Lachenmann: Musik als gebrochene Magie
Seminar, Vorträge, Diskussion


Helmut Lachenmanns Position im gegenwärtigen Musikleben erlaubt es, ihn als einen der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten unserer Zeit zu bezeichnen. Aus Widerstand gegen den "ästhetischen Apparat" und aus einem auf Überdenken des Gewohnten basierenden Schönheits-Begriff heraus entstand eine einzigartige Musiksprache, die es versteht, den Ethos der musikalischen Moderne von Schönberg bis Nono mit einer strukturell verdichteten Klangsinnlichkeit zu verbinden. Ihre Merkmale sind ein ungewöhnlicher Reichtum an klanglichen und gestischen Grundtypen ("Klangfamilien") und deren netzartige Anordnung und Ausbreitung sowie die Annäherung von Klang- und Formvorstellung. Die in den Werken seit den 1980er Jahren zunehmende Präsenz tonaler oder anderer in ähnlicher Weise kulturell und historisch "kodierter" Materialien tragen die Zeichen einer mehrdimensionalen, perspektivischen Auseinandersetzung mit Tradition und Hörgewohnheiten. Helmut Lachenmanns Musik zielt auf eine befreite Wahrnehmung.
Die Gastlehrveranstaltung des Studiengangs Musiktheorie/Musikanalyse stellt die Verbindung von kompositorischen Verfahren und ästhetischen Grundpositionen sowie die Spannung zwischen Konstruktion und Freiheit in Lachenmanns Musik in den Mittelpunkt. Neben zwei Kurzreferaten von Musiktheorie-Studierenden werden ausführliche Diskussionen mit dem Komponisten das Zentrum der Veranstaltung bilden.

13.15-15.15 I: Helmut Lachenmanns kompositionsästhetische Positionen
[Diskussionsleitung: Clemens Gadenstätter]
13.15 Clemens Gadenstätter: Begrüßung und Einführung
13.30 Elisabeth Egger: Drei Materialwelten: Lachenmanns Streichquartette
14.00 Diskussion mit Helmut Lachenmann (1)
15.15 PAUSE
15.45-18.00 II: Zum Verhältnis von Konstruktion und Freiheit in Lachenmanns Musik
[Diskussionsleitung: Christian Utz]
15.45 Christian Utz: Einführung: Struktur und Idee bei Lachenmann
16.00 Dieter Kleinrath: Klang und Form in Lachenmanns Zweitem Streichquartett "Reigen seliger Geister"
16.30 Diskussion mit Helmut Lachenmann (2)

Helmut Lachenmann. 1935 am 27. November in Stuttgart geboren. 1955-1958 Studium an der Musikhochschule Stuttgart: Klavier bei Jürgen Uhde, Theorie und Kontrapunkt bei Johann Nepomuk David. 1958-1960 Kompositionsstudium in Venedig bei Luigi Nono. 1962 erstes öffentliches Auftreten als Komponist bei der Biennale Venedig und bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt. 1965 Arbeit im elektronischen Studio der Universität Gent. 1966-1970 Lehrauftrag für Musiktheorie an der Musikhochschule Stuttgart. 1968 Kompositionspreis der Stadt Stuttgart. 1970-1976 Dozent für Musik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. 1972 Koordinator des Kompositionsstudios der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik. 1972 Bach-Preis Hamburg. 1972-1973 Meisterklasse für Komposition an der Universität Basel. 1976-1981 Professor für Komposition an der Musikhochschule Hannover. 1978, 1982 Dozent bei den "Cursos Latinoamericanos de musica contemporanea" in Brasilien und in der Dominikanischen Republik. Seit 1978 mehrfach Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik.
1981-1999 Professor für Komposition an der Musikhochschule Stuttgart. 1982 Kompositionsseminare in Toronto. 1984 Kompositionsseminare in Buenos Aires, Santiago de Chile und Tokyo. 1986 Seminarwoche in Villafranca/Spanien. 1987 Workshop in Middelburg/Holland. 1988 Workshops in Blonay/Schweiz (gemeinsam mit dem Ensemble Modern) und Weingarten. 1989 Seminarwochen in Oslo und am Conservatoire Paris. 1992 Vorträge in St. Petersburg. 1993 Dozent in Akiyoshidai/Japan, Workshop in der Villa Musica Mainz. 1994 Seminarwoche in Wien mit dem Klangforum Wien. 1997 Musikpreis der Ernst-von-Siemens-Stiftung. 1998 Workshop in Viitasaari/Finnland. 1999 Seminarwochen bei Acanthes in Villeneuve-lès-Avignon. 2001 Ehrendoktor der Musikhochschule Hannover. 2001/02Fellowship am Wissenschaftskolleg Berlin. 2002 Workshop in Porvoo/FinnlandResonanz Programm-Schwerpunkte bei Festivals und Konzertreihen im In- und Ausland, u. a. in Amsterdam (Holland Festival), Antwerpen, Bremen, Brüssel (Ars Musica), Chicago, Duisburg, Frankfurt am Main, Graz (Steirischer Herbst), Huddersfield, Köln (Musik der Zeit), London, Oslo, Paris (Festival d'Automne), Reggio Emilia (di nuovo musica), Saarbrücken (Musik im 20. Jahrhundert), Stuttgart (Tage für neue Musik), Viitasaari, Weingarten, Wien (Wien modern), Witten (Tage für neue Kammermusik) und Zürich (Tage für neue Musik).
Mitglied der Akademien der Künste in Berlin, Hamburg, Leipzig, Mannheim und München sowie der Belgischen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Künste.